Geschichte des lesbischen
und schwulen Films
Dozent: Prof. Dr. Kai Buchholz
Semester: Sommersemester 2011
Beschreibung: Am Beispiel von Filmen mit lesbischer oder schwuler Thematik konnten die Studierenden ihre Wahrnehmung von Filmen auf inhaltlicher wie auch auf formaler Ebene schulen. Da wir nach wie vor in einer heterosexistisch dominierten Gesellschaft leben, eignete sich das Thema besonders gut, um die Verarbeitung stereotyper Denk- und Verhaltensmuster im Medium Film zu untersuchen. Dabei ging es nicht nur um die Widerspiegelung sozialer Wirklichkeit, sondern auch um die Veränderung der Weltsicht des Betrachters durch filmrhetorische Gestaltungsmittel.
Die Palette des analysierten Materials reichte von moralischen Gesellschaftsdramen und sozialkritischen Milieustudien (Anders als du und ich, 1957; Anna und Edith, 1975; Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt, 1971) über Filme mit gesellschaftspolitischer oder religionskritischer Thematik (Philadelphia, 1993; The Matthew Shepard Story, 2002; Einayim Petukhoth, 2009) bis zum unterhaltenden Publikumsstreifen, etwa Sommersturm (2004) oder The Kids Are All Right (2010).
Auch in formaler Hinsicht eröffnet das Thema ein breites Spektrum. Es umfasst eine Reihe unterschiedlicher Genres, u. a.
- experimentelle Undergroundproduktionen (z. B. Fireworks, 1947; Pink Narcissus, 1971)
- künstlerisch anspruchsvolles Erzählkino (z. B. Tystnaden, 1963; Faustrecht der Freiheit, 1974)'
- Dokumentarfilme (z. B. Paragraph 175, 2000)
- Kriminalfilme/Thriller (z. B. The Detective, 1967; Bound, 1996).
Folgend die kurzen, im Kurs entstandenen Inhaltsangaben zu einigen der analysierten Filme:

© moviemax GmbH
Anders als du und ich (§ 175)
Bundesrepublik Deutschland 1957
Regie: Veit Harlan
Klaus und Manfred gehen in dieselbe Klasse und stehen kurz vor dem Abitur. Sie verbringen viel Zeit miteinander. Die Eltern von Klaus – besonders der Vater Werner Teichmann, ein angesehener Bankdirektor – befürchten, dass ihr Sohn ›homosexuelle Neigungen‹ entwickeln könnte. Diese Angst verschärft sich, als Klaus durch Manfred den Kunsthändler Dr. Boris Winkler kennen lernt, bei dem sich regelmäßig junge Männer treffen, um über Lyrik, Malerei und Musik zu reden. Klaus’ Mutter beschließt zu handeln und überredet die Haustochter Gerda, Klaus zu verführen. Der Plan geht auf: Klaus bricht den Kontakt zu Manfred und Boris Winkler ab. Von Werner Teichmann wegen der Treffen in seinem Haus angezeigt, bezichtigt Winkler die Mutter im Gegenzug der Kuppelei. Christa Teichmann wird daraufhin verurteilt, Winkler flieht ins Ausland.
André Stauch

© Edition Salzgeber, www.salzgeber.de
Anna und Edith
Bundesrepublik Deutschland 1975
Regie: Gerrit Neuhaus
Anna Marais und Edith Dessauer arbeiten gemeinsam in einer Versicherungsanstalt. Ihr Chef Detlev Schönherr setzt die Abteilung unter Druck, um selbst Karriere zu machen. Mit Anna unterhält er ein lockeres Verhältnis, das durch die beruflichen Spannungen zu zerbrechen droht. Auch zwischen Edith und ihrem Ehemann Dieter kommt es zu Meinungsverschiedenheiten, da dieser Kinder haben will, Edith aber frei und unabhängig bleiben möchte. Durch ihre Beziehungsprobleme kommen sich die beiden Frauen näher und werden ein Paar.
Martin Fritzsche

© Constantin Film Verleih 1996
Bound (dt. Gefesselt)
USA 1996
Regie: Andy Wachowski, Larry Wachowski
Violet, eine ehemalige Prostituierte, lebt mit dem Mafioso Caesar in einem Apartmenthaus in Chicago. Eines Tages trifft sie dort auf Corky, die gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde. Die beiden Frauen verbindet von Anfang an eine gegenseitige magische Anziehung. Sie werden ein Paar und beschließen, den Mafia-Clan um zwei Millionen Dollar zu erleichtern. Doch der anfänglich gute Plan gerät ins Wanken, und es kommen mehr Menschen zu Tode, als zunächst gewollt. Trotz aller Schwierigkeiten schaffen es Violet und Corky am Ende, die Millionen zu stehlen und gemeinsam ein neues Leben anzufangen.
Juliane Henning
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